Helgoland-Whisky
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Helgoland-Whisky


"AMRUT Herald", so heisst der erste und einzigartige Singl Malt Helgoland-Whisky. Er wurde von der indischen Whisky Destillerie Amrut in Bangalore, am Fuße des Himalaya, 900 Meter über den Meeresspiegel, hergestellt.

Der Whisky lagerte fünf Jahre in Bourbonholzfässern im tropischen Klima, dann reisten vier Fässer per Schiff über 9000 Kilometer nach Helgoland und lagerten dort weitere anderthalb Jahre im rauhen Hochseeklima.

Eines der Fässer (Cask No. 2848) ergab 222 Flaschen, die auf Helgoland nur in den Geschäften von Niels Pförtner für knapp 80 Euro verkauft werden. Die Abfüllungen von zwei weiteren Fässern werden über andere Kanäle verkauft (z.B. bei maltsandmore.de in Wedel für 84,90 Euro, und bei weinquelle.com in Hamburg für 84,50 Euro) , das vierte darf noch versteckt auf der Insel weiterreifen...

Stand Anfang November 2011 sind auf Helgoland (nur) noch 40 Flaschen vorrätig. Auf Wunsch kann ich eine Telefonnummer nennen, wo ihr die Flasche auf der Insel bestellen könnt. Dann kommen allerdings noch Brandwein-, Mehrwertsteuer und P&V hinzu.


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Ich habe mir zwei dieser Raritäten gekauft. Eine davon wurde am 5.11. in einem ganz kleinen Kreis verköstig.

Der Amrut Herald gehört zu den rauchigen Singl cask (Einzelfass) Malt-Whisky, der in Cask strength (also in Fassstärke, ohne Zusatz von Wasser vor der Abfüllung) auf die Flaschen gezogen wurde. Er ist ungefiltert und hat 62,9 Volumenprozent Alkohol. In dieser Kategorie ist es schwierig andere vergleichbare Whiskys zu finden.

In meiner zur Zeit 21 verschiedene Single Malt Whiskys umfassende Sammlung entdeckte ich drei weitere cask strength Kandidaten.

Klar war, dass sich der "Amrut Herald" mit dem dem "Amrut fusion" mit 50 Volumenprozent vergleichen lassen musste.

Da wir aber an einem Abend aber insgesamt höchstens drei verschiedene Destillate geschmacklich sinnvoll miteinander vergleichen wollten (die Geschmacksnerven sind recht schnell überreizt!), war die Selektion der Vergleichswhiskys schwer.

Die Auswahl des dritten Whisky fiel auf den Islay single Malt "The Ileach - Peaty" ohne Altersangabe mit 58%

Verkostet wurden sie bei Zimmertemperatur und anstatt in Nosing-Gläsern testeten wir sie aus uralten dünnwandigen Cognac-Schwenkern (Asbach Uralt ) aus den 60er Jahren. Dazu gab es das geschmacklich beste stille Mineralwasser "Gerolsteiner Naturell" und frisches Weizensauerteigweißbrot vom Bäcker.

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Meiner Erfahrung nach stehen übrigens Cognac-Schwenker den "richtigen" Nosing-Gläsern nicht nach. Auch bei ihnen ist unten genügend Raum, damit der Whisky sich ausbreiten kann. Die bauchige Form passt gut in die Hand, erwärmt den Whisky schnell und die sich nach oben hin zulaufende Öffnung konzentriert die Duftstoffe, hält das Bouquet fest.

Man kann Whisky in Cask Strength unverdünnt trinken, muss es aber nicht, denn der hohe Alkoholgehalt kann die Aromastoffe unangenehm überlagern. Dann ist es legitim, den Whisky mit stillem Mineralwasser auf die übliche Trinkstärke zu verdünnen. Als Faustregel gilt dabei ein Verhältnis von 1 zu 3, also ein Teil Wasser auf drei Teile Whisky. Ein Cask Strength von 60% wird so auf etwa 45% reduziert.

Ich beschränke mich hier nur auf den Amrut Herald, alles andere würde zu weit führen, dies ist hier ja kein Whisky-Forum.

Der Amrut Herald ist eine Spur dunkler / gelber als der fusion. Er riecht ein wenig nach Lakritz und leicht nach Teer, schwach nach Torf und Muskat.
Er schmeckt recht kräftig und ganz leicht rauchig, verträgt auf jeden Fall etwas Wasser und überzeugt dann mit einer deutlichen Vanille- und leichten Karamellnote und einer angenehmen Süße.
Sein Abgang ist bemerkenswert, langanhaltend, fruchtig und würzig.

Unser Testabend beschränkte sich auf jeweils zwei Mal 4cl pro Sorte, ersteckte sich über drei Stunden und hat uns sehr viel Spaß gemacht. Wir haben dabei gewiss viel Unsinn über Whisky philosophiert, aber uns auch ernsthaft Mühe gegeben zu einem schlüssigen Ergebnis zu kommen.

Wenn ich den Amrut Herald also abschließend realistisch beurteilen soll, so muss ich feststellen, dass es sich um einen sehr komplexen Whisky handelt, der Einsteiger oder Freunde der milderen Sorten absolut überfordert. Für die Anhänger der scharfen und torfigen Sorten ist es ein ganz vorzüglicher Whisky, aber verglichen mit den anderen Whiskys stimmt trotz seiner Exklusivität das Preis- Leistungsverhältnis nicht, da sind zum Beispiel 35 Euro für eine Flasche Amrut fusion besser angelegtes Geld. Als "alter" Helgolandfan freue ich mich aber über die nun geöffnete Flasche.

Ein Cognac-Schwenker mit 4cl Whisky plus einem Schuss Mineralwasser kostet mich weniger als einen Euro, reicht bei mir für einen ganzen Abend und bringt mir meine Insel im Geiste ganz nahe :-)
Die zweite Flasche samt Karton bleibt als Souvenir ungeöffnet und hat auf unserem Sideboard einen Ehrenplatz.



© by geoHartmut, erste Version: 5.11.2011 / letzte Änderungen:  16.05.2016, 6608 Besucher